Höflichkeit auf Deutsch
So kannst du höfliche Bitten formulieren

Zwei Personen führen ein Gesspräch

Höflichkeit spielt eine wichtige Rolle in der alltäglichen Kommunikation. Wie wir uns auf Deutsch höflicher ausdrücken können, ist das Thema dieses Artikels.

Der Text richtet sich vor allem an fortgeschrittene Deutschlernende, die ihr sprachliches Repertoire erweitern möchten. Doch auch für Muttersprachler könnte diese systematische Darstellung erhellend sein.

Im ersten Teil geht es darum, wie wir Aufforderungen formulieren können. Es gibt dabei drei grundlegende Satzstrukturen: Befehle, Fragen und Aussagen. Für jeden dieser Fälle gebe ich auch Beispielsätze an.

Im zweiten Teil präsentiere ich drei Möglichkeiten, solche Bitten höflicher zu formulieren. Dies sind 1. die Höflichkeitsform der Anrede, 2. Modalpartikeln und 3. der Konjunktiv.

Hier bei der LernLaterne gibt es übrigens auch noch einige Dialoge auf Deutsch. Dort findest du weitere Beispiele für höfliche Bitten im Kontext eines Gesprächs.

Bitten und Aufforderungen auf Deutsch formulieren: 3 Satzarten

Wenn du möchtest, dass jemand etwas für dich tut, hast du verschiedene Möglichkeiten, dein Anliegen zu formulieren. Grundsätzlich sind drei Satzstrukturen möglich:

  1. Befehl (Imperativ)
  2. Frage
  3. Aussage

Im Folgenden erläutere ich diese drei Formulierungsmöglichkeiten und gebe jeweils einige Beispielsätze.

1. Befehl

Der Befehl ist die direkteste und unhöflichste Weise, jemanden aufzufordern etwas zu tun. Das Verb ist in diesem Fall in der Befehlsform, oft auch Imperativ genannt. Du kennst ihn sicher aus dem Deutschbuch.

Im Alltag verwenden wir den Imperativ allerdings nicht so oft, zumindest nicht in seiner reinen Form. Nur in Kontexten wie den folgenden kommt diese prägnante, aber recht unhöfliche Verbform zum Einsatz:

Wie wir später sehen werden, kann ein Satz im Imperativ so ergänzt werden, dass er deutlich höflicher wirkt.

Beispiele für Sätze mit Imperativ

Lass das!

Hör auf!

Sei still!

Red nicht so viel!

Setz dich hin und iss!

Geh weg!

Gib mir den Stift!

Mach das Fenster zu!

Geh zum Arzt!

2. Frage

Fragen zu stellen, ist eine höflichere Weise, eine Bitte zu äußern. Im normalen Umgang unter Erwachsenen ist dies die häufigste Form, um etwas zu bitten. Oft kommen in diesen Fragen Modalverben (insbesondere „können“) zum Einsatz.

Beispiele für Fragesätze

Hörst du jetzt auf?

Kannst du damit aufhören?

Kannst du die Musik etwas leiser sein?

Warum setzt du dich nicht hin und isst?

Machst du das Fenster zu?

Kannst du mich in Ruhe lassen?

Kannst du mir den Stift geben?

Warum gehst du nicht zum Arzt?

3. Aussage

In Situationen, in denen wir jemandem nicht direkt auf etwas ansprechen können oder möchten, eignet sich die dritte Möglichkeit sehr gut. Mit einer Aussage können wir dennoch zu erkennen geben, was wir uns wünschen.

Da es sich um eine recht indirekte Art der Bitte handelt, wird sie nicht immer verstanden. Die Interpretation hängt stark von Faktoren wie der Intonation des Satzes oder der kulturellen Prägung des Gegenübers ab. Manchmal kommt es daher zu Missverständnissen.

Beispiele für Aussagesätze

Hier ist es mir zu kalt.

Ich habe keine Gabel.

Du stehst auf meinem Fuß.

Die Musik ist mir zu laut.

Dein Schmatzen klingt ein bisschen unappetitlich.

Bitten höflicher äußern: 3 Optionen

Nachdem wir die drei Grundstrukturen von Bitten etabliert haben, geht es in diesem Abschnitt darum, die Bitten höflicher zu formulieren. Es gibt wieder mehrere Möglichkeiten dies zu tun:

1. Vertraute Anrede (du) oder Höflichkeitsform (Sie)?

Je nach Kontext ist es manchmal möglich, sowohl die du-Form als auch die Sie-Form zu verwenden. In den letzten Jahren wird das Duzen immer häufiger, aber in vielen Situationen hat man die Wahl. So ist es in einem Café oder Restaurant oft in Ordnung die Bedienung zu duzen. Möchte man jedoch seinem Respekt Ausdruck verleihen ist hier immer auch das Siezen eine Option.

In anderen Situationen hat man diese Freiheit oft nicht. Freunde zu siezen wäre seltsam und besonders bei Behörden oder im Gespräch mit Polizisten und anderen Staatsbeamten wäre es völlig unangemessen, auf die Höflichkeitsform zu verzichten.

Sätze mit Imperativ in der Sie-Form

Lassen Sie das!

Hören Sie auf!

Seien Sie still!

Setzen Sie sich hin und essen Sie!

Reden Sie nicht so viel!

Gehen Sie weg!

Geben Sie mir den Stift!

Machen Sie das Fenster zu!

Fragen in der Sie-Form

Hören Sie jetzt auf?

Können Sie damit aufhören?

Warum setzen Sie sich nicht hin und essen?

Können Sie etwas leiser sein?

Können Sie mich in Ruhe lassen?

Können Sie mir den Stift geben?

Machen Sie das Fenster zu?

Aussagen in der Sie-Form

Sie stehen auf meinem Fuß.

Ihre Musik ist mir etwas zu laut.

Ihr Schmatzen klingt ein bisschen unappetitlich.

2. Kleine Wörter mit großer Wirkung: Modalpartikeln und Co.

Mit kurzen Wörtern, sogenannten Partikeln, können wir unseren Bitten einen freundlicheren Klang verleihen und sie so höflicher machen. Zwei der häufigsten Partikeln in diesem Kontext sind „mal“ und „doch“. Besonders wichtig ist natürlich das Zauberwort „bitte“, mit dem jede Bitte in höflicher Weise als solche gekennzeichnet wird. Die wichtigsten Höflichkeitspartikeln sind also die folgenden:

Diese drei Wörtchen können allein, aber auch in verschiedenen Kombinationen im Satz vorkommen. Tendenziell wird die Bitte höflicher, je mehr Modalpartikeln man einsetzt, wobei die Partikel „doch“ der Bitte oft mehr Nachdruck verleiht und vor allem in Kombination mit einem Imperativ vorkommt. Sie ist im Satz außerdem meist die erste der Partikeln. Häufige Kombinationen sind demnach:

Grundsätzlich können diese Modalpartikeln in allen Sätzen mit Imperativ oder in Fragen verwendet werden, sowohl in der du-Form als auch in der Sie-Form. In Aussagesätzen sind sie jedoch selten. Exemplarisch habe ich zur Illustration des Prinzips Imperativsätze in der du-Form und Fragesätze in der Sie-Form gewählt.

Modalpartikeln: Sätze mit Imperativ (du-Form)

Lass das mal!

Hör doch auf!

Sei bitte still!

Red bitte mal nicht so viel!

Setz dich doch mal hin und iss!

Geh doch bitte weg!

Gib mir doch mal den Stift!

Mach bitte mal das Fenster zu!

Geh doch bitte mal zum Arzt!

Modalpartikeln: Fragen (Sie-Form)

Hören Sie jetzt mal auf?

Können Sie bitte damit aufhören?

Können Sie bitte mal etwas leiser sein?

Warum setzen Sie sich nicht mal hin und essen?

Können Sie mich bitte mal in Ruhe lassen?

Können Sie mir bitte den Stift geben?

Machen Sie bitte mal das Fenster zu?

3. Eine Frage der Konjugation: Verben im Konjunktiv 2

Die nächste Stufe der Höflichkeit erreichen wir, wenn wir das Verb im Konjunktiv verwenden. Dies ist ebenfalls eine häufig gewählte Art, unsere Bitten höflicher klingen zu lassen. Er wird sowohl in der du-Form als auch in der Sie-Form verwendet. Der Konjunktiv ist wie der Imperativ ein Modus des Verbs. Das heißt, ein Imperativ lässt sich nicht in den Konjunktiv setzen. Dies ist nur bei Fragesätzen und Aussagesätzen möglich, in denen das Verb sowohl im Indikativ als auch im Konjunktiv stehen kann.

Fragen mit Verben im Konjunktiv 2 (du-Form)

Würdest du jetzt mal aufhören?

Könntest du bitte damit aufhören?

Könntest du mich bitte mal in Ruhe lassen?

Könntest du mir bitte den Stift geben?

Würdest du bitte mal das Fenster zumachen?

Fragen mit Verben im Konjunktiv 2 (Sie-Form)

Würden Sie jetzt mal aufhören?

Könnten Sie bitte damit aufhören?

Könnten Sie mich bitte mal in Ruhe lassen?

Könnten Sie mir bitte den Stift geben?

Würden Sie bitte mal das Fenster zumachen?

Inhaltlich unterscheiden sich die Aussagesätze im Konjunktiv von denen im Indikativ dadurch, dass sie keinen aktuellen Zustand beschreiben. Der Konjunktiv ist ja der Modus des Irrealen, also in diesem Fall des noch nicht verwirklichten Wunsches.

Aussagen (du-Form und Sie-Form)

Es wäre mir recht, wenn es im Zimmer etwas wärmer wäre.

Ich hätte gern eine Gabel.

Ich würde mich freuen, wenn ich auch eine Gabel hätte.

Es würde mir helfen, wenn Sie nicht mit Ihrem Fuß auf meinem stehen würden.

Es wäre toll, wenn du die Musik etwas leiser machen würdest.

Ich würde das Essen mehr genießen, wenn Sie nicht so laut schmatzen würden.

Es gibt außerdem besondere Phrasen, mit denen wir Bitten einleiten können. Diese Floskeln können wir einsetzen, wenn es sich um eine große Bitte handelt oder es uns aus einem anderen Grund unangenehm ist, die Person um einen Gefallen zu bitten.

Besonders höfliche Bitten mit einleitende Phrasen

Würde es dir etwas ausmachen, die Heizung aufzudrehen?

Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich dich bitten, das Fenster zu schließen.

Hättest du etwas dagegen, die Musik ein wenig leiser zu machen?

Du würdest mir einen großen Gefallen tun, wenn du deinen Fuß von meinem nehmen würdest.

Ich möchte dir nicht zu nahe treten, aber könntest du etwas geräuschärmer essen?

Der Ton macht die Musik: Wähle die passende Satzmelodie

Neben den oben aufgeführten grammatikalischen und lexikalischen Möglichkeiten, unsere Bitten höflicher zu formulieren, kommt es natürlich auch darauf an, wie wir etwas sagen. Auch die höflichste Formulierung verliert ihren Wert, wenn sie in einem rauen, unfreundlichen Ton ausgesprochen wird.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen in diesem Zusammenhang die Imperativsätze und Fragesätze mit der Sie-Form. Diese unterscheiden sich nämlich ausschließlich durch das Satzzeichen (Ausrufezeichen oder Fragezeichen) bzw. die gewählte Intonation. Dies wird am folgenden Beispiel klarer.

Ausmaß an Höflichkeit wird in diesem Fall allein durch die mehr oder weniger fragende Satzmelodie bestimmt.

Fazit

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Artikel zeigen, wie viele Möglichkeiten es gibt, höfliche Bitten auf Deutsch zu formulieren. Natürlich ist das nur die Spitze des Eisbergs. Wenn du weitere Formulierungsmöglichkeiten kennst oder einen Fehler gefunden hast, würde ich mich über eine Nachricht freuen. Schreib mir!

P.S.: Ich weiß, es gibt noch keine Kommentarfunktion, aber du kannst mir natürlich jederzeit eine E-Mail schreiben: dominik@lernlaterne.de

Zu den Dialogen